dicke tiere

June 29, 2006

kein happy end

Filed under: Uncategorized — halligalli @ 10:58 pm

die arbeit entstand im rahmen eines seminars (zwischen produktionsästhetik und politik der repräsentation: soziale geschlechter in künstlerischen filmen von den 70er jahren bis heute) von sabeth buchmann und doris guth.

die idee dazu entspringt eines textes von walter haug (tristan und lancelot - das experiment mit der personalen liebe im 12./13. jahrhundert), in dem er die romantische liebe als eine erfindung der romanischen literatur entlarvt. die liebe als lebensentwurf und sinn war ursprünglich reine fiktion, doch der mensch lernt durch nachahmung. die frage, die mich beschäftigt hat, ist ob die heute aktuellen liebesgeschichten, die uns in film und fernsehen präsentiert werden, einfluss auf unser verhalten haben, genau so wie die unendlich wiederholten romantischen lieder, bücher, theaterstücke, eine ganze liebeskultur drischt schon von kindheit an (märchenprinz - prinzessin retten) auf unsere leicht beeinflussbare psyche ein. bevor wir selber die liebe erfahren, lernen wir sie als fiktion kennen und das in einer so massiven präsenz, dass wir das fiktive für das reale halten. ich habe diverse lieblingsfilme von mir auf ihre beziehungsmuster und rollenbilder untersuchte und wie weit sich das auf mein privatleben auswirkt. ich verdächtige mich selbst der reproduktion klischeehafter und idealisierter traumbilder. ich verwende fotos aus 12 filmen und stelle diese in einen neuen kontext zueinander, in dem ich eine selbst erfahrene liebesgeschichte nacherzähle. kurze, auf das nötigste reduzierte sätze benutze ich als narrative wegweiser durch das scheinbare visuelle chaos. jedes einzelne bild ist noch zusätzlich mit persönlichen, für den betrachter ohne das entsprechende hintergrundwissen nicht entzifferbare codes aufgeladen, welche vor allem in starker beziehung zu dem text und dem tatsächlich erlebten stehen. die geschichte endet mit einer szene aus kleopatra, in der kleopatra allein im raum steht und daneben habe ich ein zitat von kierkegaard eingefügt. dieses zitat ist für mich der querverweis zu dem leitspruch der minnesänger: liebe ohne leid macht keinen sinn. und hier liegt für mich der schlüssel: in der romantischen liebe  (und in so vielen anderen dingen) geht es nicht darum, sein ziel tatsächlich zu erreichen, sondern nur um die nachahmung und anbetung eines ideals, welches man aber niemals erreichen kann und darf, da dem eigenen leben dann der sinn genommen wäre. wir werden also niemals zufrieden und glücklich sein.

 

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