reisebericht senegal - was ich alles blöd gefunden habe:
reisebericht senegal - was ich alles blöd gefunden habe:
nachdem jeder begeistert und mit sternchen in den augen vom flugzeug aus afrika die gangway hinuntergeschwebt ist und mit der fresse ziemlich hart auf den kalten boden der realität in österreich gefallen ist, dachte ich mir, irgendjemand muss hier doch mal in opposition gehen. so eine durch die bank gehende begeisterung mißfällt mir schon aus prinzip. also hab ich mir gedacht, lass ich doch die anderen loben und preisen, mein größtes talent beim schreiben liegt in der boshaftigkeit, mißgunst und übler nachrede. ich wurde leider nicht mit so einer frohnatur wie meine mitreisenden gesegnet und auch die altehrwürdige wiener tradition, die ich mit der muttermilch aufgesogen habe, schreit förmlich nach tristesse.
aber ich sehe schon, ich schweife vom thema ab! schluss mit lustig, her mit traurig:
beginnen wir bei der senegalesischen küche, wobei “küche” an dieser stelle ein etwas irritierendes wortspiel ist. “grill” wäre angebrachter, denn die senegalesen lieben fleisch. am liebsten so gut durchgebraten, dass man nur noch aufgrund der schwarzschattierungen erraten kann, um welches getier es sich auf dem teller handelt. meistens war das aber kein tier sondern fleischereiabfälle und innereien. abwechslungsreichtum ist kein wort, dass hier groß geschrieben wird. meistens gibt es fleisch, fleisch oder fleisch. wer fleisch nicht mag, der kann auch fleisch essen. für die vegetarier wird hier und da auch eine ausnahme gemacht und es gibt fleisch. gewürzt wird das fleisch mit couscous oder reis. (anmerkung der autorin:fisch und fleisch sind für mich eins). geheimtipp für zukünftige touristen: bestellen sie NIEMALS couscous royal. sie werden es bereuen (siehe oben)
lobend erwähnen muss ich an dieser stelle, auch wenn es schmerzt, das gute gazelle-bier, welches allerdings nicht in der öffentlichkeit getrunken werden darf. das haben wir gelernt denn es gab da einmal großen ärger mit zwei soldaten, die es nicht geduldet haben, dass wir unser bier versteckt unter der jackentasche getragen haben. gröbere probleme konnten gottseidank durch die schnelle intervention des präsidenten der biennale verhindert werden.
die frauen in senegal sind wirklich wunderschön, leider hat man sie fast nie gesehen, da das straßenbild größtenteils von den männern dominiert wurde. ich dachte mir schon, dass in diesem winkel der erde das patriarchat noch in seiner vollen blüte steht aber dass 77% der frauen weder lesen noch schreiben können, polygamie weit verbreitet ist, die geburtenrate 5,7 pro kopf beträgt und 20% an ihren genitalien beschnitten sind, fand ich dann ganz schön widerlich.
sehr stolz waren alle auf ihr trommelspiel, was zweifelsohne das beste war, dass ich je gehört habe. frauen dürfen in senegal jedoch nicht trommeln, denn das ist männersache, generell dürfte alles, was spaß macht eher den männern überlassen sein. am strand konnte ich auch nie eine frau entdecken. aber dafür tonnen an müll und dreck, dazwischen spielende kinder und bettelnde krüppel, hier und da ein paar muskelbepackte sportler, die trainieren und von einer besseren zukunft träumen. wenn ich mich mit einem mann unterhalten habe, verlief die unterhaltung ungefähr 10 sätze lang freundlich und respektvoll. dann erfuhr man ohne große umschweife gleich, dass der mann vor mir der prinz von senegal sei, er drei häuser und vier autos habe, er alles zum leben habe, was ihn glücklich macht außer einer frau und ich übrigens genau so schön wie seine mutter aussehe. und weil er das dank seiner natur gegeben intelligenz und omnipotenz sofort erkenne und für wahrhaftig erklärt hat, habe ich mich dem zu fügen und auf der stelle nach afrika zu ziehen und mich widerstandslos schwängern zu lassen. habe ich es gewagt einspruch zu erheben und von mann und glück in österreich zu erzählen, dann wurde das ignoriert bzw als dummes geschwätz meinerseits (du als frau kannst doch gar nicht wissen, was für dich gut ist, also halt den mund und gehorche) abgetan.
eingeborene priesen uns ihr land ohne pause als das schönste, beste, tollste land der welt an. warum dann tagtäglich hunderte menschen von senegal auf die kanarischen inseln nach europa flüchten wollen und dabei ihr nacktes leben riskieren, zusammengepfercht auf winzigen fischerboten, mitten in der nacht, von schlepperbanden organisiert oder auf eigene faust, warum das so viele tun, das sei mal dahingestellt.
ein vergnügen der ganz besonderen art war es in dakar auf die strasse zu gehen. es gelang nicht einmal der erste schritt aus dem hotel, ohne dass man von einer horde aus schuhputzern, straßenverkäufern und taxifahrern belagert wurde, die, anstatt des guten charakters in uns allen, einen dicken bündel euroscheine sahen. was ich niemanden verübeln kann und will, bei einem bruttoinlandsprodukt von 39.292,- dollar pro kopf in österreich und dem von 835,- dollar pro kopf in senegal. trotzdem hätte ich bei dem täglichen kampf durch den dschungel aus gefälschten louis vuitton taschen, pokemon-plastikuhren, strass-sandalen und obstkörben gerne eine machete bei mir gehabt. auch die ewigen diskussionen, warum ich denn diese fünf wunderschönen plastikketten aus gefälschten chrom in herzform nicht für lächerliche 5000,- SFR kaufen will, waren nicht gerade das, was ich mir unter “kulturellen austausch mit der bevölkerung” vorgestellt habe.faszinierend auch die auswahl an konsumgütern auf den märkten: überall echte, antike masken, die alle exakt gleich aussahen und für einen spottpreis von umgerechnet 50 euro zu haben waren. man lasse sich das auf der zunge zergehen: antik. echt. 50 euro. ansonsten gab es überall, von dakar bis st.louie, exakt die gleiche ware, die vom jeweiligen verkäufer als einzigartig (original), kunstvoll aber trotzdem extrem billig angepriesen wurde.
wenn man es dann mal tatsächlich geschafft hat, auf der strasse anzukommen, kam man leider auch nicht weit, da sich dakar als ein einziger spiessrutenlauf aus müllbergen, bettelnde obdachlosen und strassenköter/ziegen herausstellte. des nachts musste man nicht nur die nächste, düstere straßenecke sondern auch den boden unter den füßen gut im auge behalten, denn es konnte jederzeit passieren, dass man plötzlich mitte in jemandes schlafzimmer drinnen stand. dass die menschen dort keinen zugang zu sauberen trinkwasser hatten, war naheliegend aber selbst wir in unserem dreisterne-hotel hatten keines, denn auch mit cholera-impfung war schlucken nicht empfehlenswert.
waschen war aber sowieso nicht so schick, weil man sich danach jedesmal von neuem mit butterbrot-dicken schichten insektenschutzmittel und sonnencreme einschmieren musste. bei dem gleißenden sonnenschein, der alle unsere fotoapparate in den technischen ruin trieb und allerlei lustige viren übertragende insekten war das unabdingbar.
sehr zynisch fand ich auch den kommentar, “dass es so schön sei, wie sich hier in afrika das leben auf der strasse abspiele”. ich glaube, jeder dieser heiteren straßenbewohner hätte seinen ziegelstein und die schlafmatratze aus stroh mit begeisterung gegen eine gemeindebauwohnung im 10.bezirk eingetauscht. es ist ja nicht so, dass die meisten menschen bezüglich ihrer lebensumstände eine wahl hätten. was uns wieder zurück zu den hunderten flüchtlingen jeden tag bringt. armut erzeugt natürlich neid auf die besitztümer der wohlhabenderen und so wurden viele von uns opfer eines taschen/geld/fotoappart-diebstahls, das war auch ganz schön beschissen aber mit dem war ja zu rechnen darum werde ich auf dieses zweifelsfrei ebenfalls sehr vielseitige kapitel nicht näher eingehen. taschendiebstähle bei touristen sind kein explizit senegalesisches problem, das muss der fairness halber schon gesagt werden. und so eine mit dem messer aufgeschlitzte handtasche ist ja auch ein ganz hübsches urlaubssouvenir.
beenden wir dieses trauerlied mit dem wohl enttäuschendsten kapitel dieses urlaubes: der dak’art biennale! der malerfürst attersee hätte seine reinste freude gehabt: dekorative einrichtungshausmalerei, so weit das auge reicht! da wurde nicht gegeizt mit vitalen und spirituellen farben, ja, da wurde noch der schönheit und der hohen kunst des pinselstrichs gehuldigt, wie es in unseren dekadenten gefilden schon lange nicht mehr der fall ist! da wurde das bild nicht mehr mit abstrakten, schweren themen oder kunsthistorischen zitaten belastet, da war alles noch echt. naturverbunden. der mensch als mensch. afirka, das mutterland. rein. schön. mir wurde schlecht. doch einzelne kunstwerke haben mich wirklich vom hocker gehauen (die einen, weil sie so schlecht, die anderen, weil sie so gut waren). ich habe mir den ausstellungskatalog gekauft und im nachhinein festgestellt, dass alle künstler, die mich begeistert haben, in europa leben und arbeiten. was man mit der kunsterziehung jahrelang in mich reingeprügelt hat, lässt sich eben nicht so leicht von dannen schütteln. nicht, dass es mir auf der berlin-biennale eine woche später besser gefallen hätte. vermutlich liegt es einfach in meiner natur, sich zu beschweren.
obwohl.
meine beste freundin sagte einmal zu mir: du darfst den fehler nie bei dir selbst suchen. sondern immer nur bei den anderen.
weil ich hier jetzt aber nicht ausschließlich in meinem kulturpessimistischen elfenbeinwinkel hocken und alles scheisse finden will, habe ich einen etwas fröhlicheren zeitgenossen namens nico streufert gefragt, ob er mir denn nicht einen lustigen reisebericht schreiben könnte. als kontrast und auflockerung dieser schweren kost sozusagen. nico war zwar noch nie in senegal aber das macht ja nichts. er hat sich einfach vorgestellt, er wäre dort gewesen. ich präsentiere also voller stolz und freude:
ein senegal für mari
der senegal ist ein land in afrika, dass ich mal besucht habe.
es ist mehr lang als breit, wenn man es von der seite betrachtet, aber man könnte auch sagen, es ist mehr breit als lang, wenn man es aus einer anderen position betrachtet.
das liegt eben im auge des betrachters.
es grenzt an den atlantischen ozean im westen und an die sahara im osten. dass der senegal viel dichter am äquator liegt als österreich, machte sich gleich nach der ankunft, durch den sehr großen temperaturanstieg, als wir unser flugzeug verließen, mehr als deutlich.
ich fragte mich ob die eine flasche deospray reichen würde, für die zehn tage aufenthalt in diesem doch sehr merkwürdigen land.
früher dachte ich immer die leute in afrika würden auf dem kopf laufen, weil sie auf der anderen seite der erde leben, doch ich wurde eines besseren belehrt.
vom flughafen fuhren wir mit einer rikscha ins innere des landes, wo wir uns in einer kostengünstigen pension einmieteten.
die eingeborene bevölkerung sah uns mit ihren großen, braunen augen an… aufgrund unserer hellen hautfarbe hielten sie uns wahrscheinlich für götter. leider konnte ich
es nicht herausfinden, da ich in den 10 tagen keine zeit hatte die eigeborenensprache wula-wula zu lernen.sie klingt auch in jedem dorf anders, da es zig verschiedene dialekte gibt.der senegal hat eine relativ junge bevölkerung, was es für mich auch relativ einfach machte mit den menschen in kontakt zu kommen. denn durch die niedrige lebenserwartung waren die leute in meinem alter, schon angesehene personen in der senegalesischen gemeinschaft. die sprachbarriere war zwar nicht leicht zu überbrücken… aber durch nachahmung der gehörten laute, hatte ich die lacher auf meiner seite und konnte schnell freundschaften schließen.
wie ich erwähnt hatte war es sehr warm und die sonne schien unbarmherzig jeden tag, dass ich jeden morgen meine zarte haut mit schichten von sonnencreme bestreichen musste.
das essen war für mich was vollkommen neues, denn die senegalesen kennen kein besteck, die asiaten sind wenigstens noch so minimalistisch und essen mit stäbchen.
im senegal werden einfach die hände zum essen benutzt.
da die hauptnahrungsmittel cous-cous und reis sind, wurde eine ganz spezielle technik entwickelt. man nimmt sich ein bißchen reis/couscous und knetet ihn solange, bis man einen ball oder ein etwas längliches röllchen. das wird mit der rechten, oder wahlweise der linken hand gemacht.mit der anderen hand hält man ein schälchen in dem soßen mit gemüse oder fleisch sind.
mir hat das essen immer geschmeckt.
die kunst im senegal … der eigentliche grund des besuches … war für mich sehr faszinierend, da sie sehr viele versteckte, sexuelle aspekte anspielte… ich konnte versteckte codes entdecken, wie sie zum beispiel in homosexuellen kreisen gang und gebe sind.
was der laie wahrscheinlich gar nicht sieht, wurde mir erstaunterweise sehr schnell bewusst.
der künstler an sich muss im senegal auch eher auf hintergründige anspielungen ausweichen, als auf plakative Direktheit, da der Islam das öffentliche-soziale gefüge bestimmt.jeder weiß, dass diese religion alles andere als offen für freizügigkeit ist und steinigungen von ehebrecherinnen immer noch auf der tagesordnung stehen.
das bildungsniveau ist sehr gering und es gibt kein bewußtsein für verhütung und sexuell übertragbare krankheiten. das spiegelt sich auch darin wieder, dass das bevölkerungswachstum bei 2,7% liegt und etwa 58% jünger als 20 jahre ist.verhütungsmittel ist für senegalesen wohl immer noch ein fremdwort. wo wieder das eine zum anderen führt. da auch der senegal nicht von der aidswelle verschont geblieben ist.ein großes problem ist eben die fehlende bildung (67%prozent analphabeten)
es war schon sehr beeindruckend, afrika mal aus der nähe zu sehen. affen, die nachts die mülltonnen durchwühlen; spinnen, so groß wie handflächen in der toilette und rosa salzberge, die ganze landstriche unfruchtbar machten.
anfang das vorherigen jahrhunderts war der senegal eine deutsche kolonie.
besonders ortsnamen wie NeuFriedrichshain oder wilhelmstadt sind mir bei unseren fahrten durch den busch immer wieder aufgefallen.
im großen und ganzen war es für mich eine echte lebenserfahrung, die meinen horizont unglaublich erweitert hat.
ich kann jedem nur empfehlen nach afrika zu fahren… die wiege der menschheit!