dicke tiere

January 22, 2006

i can’t find myself i got lost in someone else

Filed under: Uncategorized — halligalli @ 2:59 pm

sie saß auf einem braunen sofa und blickte erstaunt auf ihre blutenden hände. sie konnte die fingernagelgroßen glasscherben genau erkennen, die in ihrem fleisch steckten, das blut tropfte dickflüssig aber mit erstaunlicher geschwindigkeit aus ihr heraus. sie konnte sich nicht erklären, wie das passiert war. ihre hände begannen zu zittern, während sie wie erstarrt in der luft vor ihrem gesicht hingen, zuerst nur ganz leicht und fein. dann stärker und am ende dachte sie, die hände hätten ein eigenleben entwickelt. das blut spritze durch die heftige bewegung in eleganten bögen auf den dunklen boden und auf ihr vor schrecken geweitetes gesicht. fremde leute gingen immer wieder an ihr vorbei, ignorierten sie jedoch. sie bekam es mit der angst zu tun, das zittern hatte inzwischen ihren ganzen körper ergriffen . mit einem schlag erwachte sie und stellte fest, dass sie vollkommen nackt im bett lag. sie hatte vor kälte gezittert. neben ihr lag ein warmer, großer körper. sie hatte sich noch nicht endgültig von dem traum gelöst und kroch verängstigt zu dem mann unter die decke. seine haut war heiß und roch nach zuhause. doch eigentlich war er ein fremder für sie. warum er in ihrem bett lag, wusste sie nicht genau. hatte ihn mal danach gefragt aber keine antwort bekommen. sie wollte nicht mehr nachdenken, schon gar nicht, wenn sie nicht verstand, um was es ging. sie umarmte seinen rücken, und steckte ihre hand zwischen seine finger. sie dachte nach. gestern war sonntag gewesen. sie waren den ganzen tag im bett geblieben. hatten sich geliebt, immer und immer wieder, als wäre es das letzte mal. das zimmer roch nach sex. schwüle, klebrige luft. beide waren sie verschwitzt und von ihren körpersäften durchnässt. sie hielten sich eng umschlungen, niemand kam auf die idee, aufzuspringen und ins bad zu rennen. um sich zu duschen. im gegenteil, es erregte sie nur noch mehr. die feuchte haut und zusammen träumen. sie sahen sich lange in die augen. auch als sie miteinander schliefen. nie waren sie einander so nahe gewesen. sie hatte das gefühl, jedes wort wäre überflüssig. würde diese intimität, die es sonst nie zwischen ihnen gegeben hatte, unwiderbringlich zerstören. also schwiegen sie den ganzen tag. er war ohnehin nicht der typ für überflüssige gespräche. die frau stellte sich vor, wie schön es wäre, miteinander zu verschmelzen. der mann hatte zur gleichen zeit angst, in diesem eins werden mit der frau sich selbst zu verlieren. das hatte sie mal wo gelesen. war das der grund, warum die wenigsten menschen nähe zuließen? oder verliebt man sich einfach zu selten so stark. so oder so war es deprimierend. sie wollte aber nicht mehr traurig sein, wollte lieber sein gewicht auf sich spüren. sie streichelte ihn an der stelle, von der er wusste, dass es etwas zu bedeuten hatte. er schob ihre hand weg. sie lag ein paar minuten bewegungslos neben ihm. wie ein schlag ins gesicht. sie schämte sich. und wurde wütend. es wäre wohl besser, zu gehen. sie wartete, bis sein atem wieder langsam und flach ging. dann suchte sie ihr kleid und die strümpfe, zog sich an, ging. den slip konnte sie nicht mehr finden. sollte er ihn behalten. vielleicht würde es ihn ja traurig machen. aber wahrscheinlich nicht. sie ging mit schnellen schritten durch die nacht. der beton glänzte feucht und duftete nach regen. sie war in einer gegend, in der die straßenlaternen nur orangenes licht hatten. das mochte sie sehr gerne. es war warm und bald würde die sonne aufgehen. das hätte sie gerne mit ihm gemeinsam gesehen. ob er es schade findet, dass sie gegangen war? oder ob er erleichtert ist? sie dachte darüber nach, wie er wohl reagieren würde, hätte sie selbstmord begangen. sie stellte sich vor, wie sie jetzt nach hause ging. eine frische packung rasierklingen aus dem schrank nahm und öffnete. eine packung schlaftabletten holte. warmes wasser in die badewanner laufen lies und dazu tori amos. auch wenn das sehr klischeehaft war aber sie stellte es sich schön vor, zu tori amos gesang zu sterben. sie würde sich die pulsadern aufschneiden, die ganze packung tabletten nehmen und sich in die badewanne legen. am nächsten tag würde er es von gemeinsamen freunden erfahren. er würde es bereuen, so abweisend zu ihr gewesen zu sein. er würde erkennen, dass sie seine große liebe gewesen sei und bis an sein lebensende nicht mehr glücklich werden. nur noch von ihr träumen. und sie wäre dann ein geist oder eine freifliegende seele und sähe im vom himmel aus zu. es wäre eine genugtuung. wenn auch eine abscheuliche. sie stellte sich dann noch vor, wie er weiße lilien auf ihr grab legt und weint.
sie musste lachen. über ihre absurden fantasien. natürlich würde sie das niemals tun. nicht wegen eines mannes, wegen niemanden. gekränkter stolz bringt die menschen dazu, sehr lächerliche dinge zu tun. oder zu denken. sie sah, wie der himmel sich langsam rot färbte. es war beruhigend für sie. sie dachte an den spruch. wo die nacht am schwärzesten, da ist der tag am nähesten. das stimmte. sie dachte an den mann. sie war sich nicht sicher, ob das liebe war. oder nur die natürliche reaktion auf ablehnung. was man nicht hat, ist immer am interessantesten. der himmel hatte jetzt die selbe augenfarbe wie er. sie hob den kopf und wollte in dem blau versinken. sie überquerte gerade die strasse und hörte den lastwagen nicht kommen.

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