dicke tiere

January 19, 2006

das zimmer

Filed under: Uncategorized — halligalli @ 12:17 pm

ich weiß nicht mehr, wie wir in dieses haus gelangt sind aber wir befanden uns im ersten stock, in einem kleinen, dunklen zimmer und blickten aus dem fenster. blau-weiße vorhänge mit ländlichen blütenmuster an der seite und in der mitte der blick auf eine märchenhafte berglandschaft, ein steiler abhang direkt vor dem fenster, das haus schien in schräglage gebaut zu sein, da standen laubbäume, dicke ahornblätter streckten sich uns wie finger entgegen, schwarze sonnenblumen und eine leichte, wie puderzucker aussehende schneedecke lag über allen. das licht war dunkelblau, gleichzeitig tag und nacht, ein paar meter weiter sahen wir häuser, genau wie das gebaut, in dem wir uns befanden, von außen sahen sie klein aus aber im inneren waren sie riesengroß, es waren alte bauernhäuser aber sie sahen merkwürdig renoviert aus, als wäre ihr holz auf eine art und weise geschnitten, die es vor hunderten von jahren noch gar nicht gegeben hat, die mauern waren weiß getüncht doch in dem licht sahen sie hellblau aus. der standort der häuser schien wie auf dem reißbrett entworfen, denn jedes hatte ein exaktes quadrat garten um sich herum. ich steckte den kopf weiter aus dem fenster heraus, ich konnte keinen gipfel erkennen, der berg schien mir unendlich, weiter oben endeten die häuser, stattdessen waren monumentale lehmöfen in den fels gebaut, in jedem flackerte ein feuer und davor, in einem beet aus asche und schlamm steckten auf dünnen holzstäben tönerne kugeln, die vom wind bewegt, ihre köpfe aneinanderschlugen, das geräusch ging ungefähr so: klackklack-klackklack. es war nicht unser haus, wir waren betrunken mit ein paar freunden hierher gekommen, ich weiß nicht mehr, wie aber wir haben eingebrochen, jemand meinte, dies sei ein ferienhaus und um diese zeit sicher nicht bewohnt, niemand würde und stören, die anderen häuser sein auch alle leer. das so klein wirkende haus hatte viele zimmer, ich konnte sie nicht zählen, schon gar nicht in der dunkelheit, die möbel, die teppiche, die tapeten, das alles sah sehr muffig und alt aus, als wäre hier seit 20 jahren nichts mehr verändert worden aber es war sauber und auf eine vertraute art und weise gemütlich. wir nahmen uns also dieses kleine zimmer, die anderen waren noch unten, machten lärm, wie es betrunkene nun mal tun aber wir waren müde, legten uns zusammen in das bett, es roch frisch nach waschmittel, die decke war riesengroß und weich, wir versanken darin wie kinder in einem schaumbad, umarmten uns und schliefen in einer woge aus geborgenheit ein.
kinderstimmen weckten mich, es dauerte einige minuten, bis ich realisierte, dass es nicht mein haus war, nicht mein bett, in dem ich schlief und dass ich diese stimmen nicht kannte. wer war da unten, waren es kinder aus der gegend, die hierher zum spielen kamen und heimlich eingebrochen sind, so wie wir? und wenn ja, wo waren die anderen, warum hörte ich sie nicht, waren sie etwa ohne uns gegangen und haben uns hier alleingelassen? ich blieb wie vor angst gelähmt im bett liegen, sah aus dem fenster, bemerkte, dass in den anderen häusern lichter angegangen waren, da hörte ich stimmen von erwachsenen, doch vielleicht würden sie uns gar nicht bemerken, wenn wir uns still verhielten. doch sie kamen nach oben, traten durch die tür, bemerkten uns, geschrei, wütender wortwechsel, wir standen mitten im zimmer, umringt von lauter fremden, ich versuchte noch etwas zu unserer verteidigung zu sagen, verstand nicht, warum sie so böse auf uns waren, wir hatten doch nichts schlimmes gemacht. doch ehe wir uns noch verteidigen konnten, ehe sie überhaupt ein urteil gefällt hatten, blitze ein großes küchenmesser in einer hand auf, eine hand, die zu einem gesichtlosen körper gehörte und diese hand schlug das messer wie eine faust in deine brust, in dein herz hinein, ich sah in zeitlupe zu, unfähig etwas zu unternehmen, dich zu beschützen, es zu verhindern und so wie man im augenblick seines todes sein leben in sekundenschnelle vorüberziehen sieht, so sah ich unsere geschichte im schnelldurchlauf, nein, ich wollte sie sehen, ich wünschte es mir, doch es kam nichts, da war nur leere, ich konnte überhaupt nichts sehen, nur ein einziges bild erschien, es war, als hätte jemand alles gelöscht und nur noch dieses eine bild wäre da, ich sah uns in meinem bett liegen, du hinter mir, mich umarmend, deinen kopf an meine schläfe lehnend, mir etwas ins ohr flüsternd. ich konnte deinen atem an meinem ohrläppchen spüren, den klang deiner stimme hören, dieses wispern, ich hörte an deinem tonfall, dass du gelächelt hast aber deine worte, was du gesagt hast, so sehr ich mich auch anstrengte, die fielen mir nicht mehr ein.

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