lass uns ein schaf machen!
niemand wusste gestern, wieviele beruhigungstabletten ich geschluckt hatte. mehr als sonst. ich wurde gefragt, warum ich heute so still bin. ich saß auf einem stuhl inmitten einer vernissage in einer arztpraxis und starrte so vor mich hin. das wurde nur durch gelegentliches brötchen essen unterbrochen. die brötchen waren lecker. weißbrot und brandteig und roggenbrot. viele, verschiedene aufstriche. wusste gar nicht, was das war. ich bin ja ein prolet und kenne nur liptauer und eiaufstrich. jemanden hab ich dann mein glas in die hand gedrückt und gefragt: hast du mitleid mit meiner erbärmlichen existenz? sie meinte: irgendwie schon. ich: dann hol mir bitte ein neues glas rotwein. so ging es dahin. der abend plätscherte. der professor schwafelte. wie üblich. ich wurde vor meinen augen auf eine party nicht eingeladen. noch mal glück gehabt, dachte ich mir, weil die von der unsymphatischsten person der ganzen klasse ausgerichtet wurde. andererseits schon ein bißchen beleidigt. was solls. beruht die antipathie wenigstens auf gegenseitigkeit. dann meinte sie, wir gehen jetzt ins atelier vom so und so. ob ich mitkomme. hmmm. nein, mir ist jetzt nicht mehr nach gesellschaft. lieber rannte ich zum volkstheater. der vorletzte zug und noch eine zeitung gekauft. außerdem war ich gekränkt. ich kaufte mir eine vanilla coke, weil die tröstet. find ich halt. die kälte frisst sich ins gesicht. aber zumindest bleibt das make up frisch. wenn ich abends nach hause komme, seh ich noch genau so aus wie morgens. sogar die mimik ist die gleiche. deshalb ist besonders wichtig, den tag mit einem lächeln zu beginnen. meine lieblingsfigur bei alice im wunderland war immer die grinsekatze. auf englisch heißt sie cheshire cat. bei disney war sie so dick gezeichnet. und lila-rosa. ich mochte die vorstellung, dass sich mein grinsendes gebiss theoretisch in den mond am himmel verwandeln könnte. und auch, dass lunatic verrückt heißt. mondrückt. genug crazy assoziationen für heute. zuhause hab ich mich als erstes nackt ausgezogen. das mache ich am liebsten. ich hab mal einen test gemacht. so persönlichkeitskram. das ergebnis war, ich bin ein performer. was auch immer das bedeuten mag, auf jeden fall, stand ganz am ende “you like beeing naked”. das stimmt. aber ich schweife schon wieder ab. ich drapierte katze, zeitungen, wasserflasche und tabletten formschön um mein bett herum. legte mich hinein und wartete auf den schlaf. der nicht kam. die sau. aber dann später doch. dafür kam spätnachts ein anderes schwein. das sich euphorisch auf mich warf und, in einer aromawolke aus weindünsten schwebend, mir von mit knödeln gefüllten schweinemägen erzählte. es zog sich bis auf seine reizende unterhose aus. nahm mir die decke weg. ich schlug wie gewöhnlich drauf ein. wir verknoteten uns ineinander. zuerst ein schaf. und dann der schlaf.